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Call for Applications: Forschungsstipendium und Tandempartnerschaft für Studierende des Masters Interdisziplinäre Lateinamerikastudien

 Im Rahmen des vom Deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts “Geschichtsvermittlung durch Unterhaltungsmedien in Lateinamerika. Labor für Erinnerungsforschung und digitale Methoden” (GUMELAB) der Freien Universität Berlin laden wir Masterstudierende des Lateinamerika-Instituts ein, ihre Abschlussarbeiten innerhalb des Projektes durchzuführen.

In Kooperation mit lateinamerikanischen Partnerinstitutionen untersucht das Projekt die Konstruktion, Vermittlung und trans-/nationale Rezeption lateinamerikanischer Geschichte und Erinnerung anhand von Telenovelas und Serien sowie deren Auswirkungen auf die politische Einstellung und das Geschichtsbewusstsein der Zuschauer:innen. (Weitere Informationen)

 Das Projekt GUMELAB fördert vier Studierende des Masters Interdisziplinäre Lateinamerikastudien. Jeder Studierende wird sich mit jeweils einem lateinamerikanischen Studierenden von unseren Universitätspartnern in Chile und Kolumbien zu einem Tandem zusammenfinden. Sie werden gemeinsam forschen und sich über ihre Masterarbeiten austauschen. Zwei Studierende werden mit chilenischen Partner:innen zusammenarbeiten und zwei Studierende mit kolumbianischen Partner:innen. Der internationale Austausch soll es den Studierenden ermöglichen, eine breitere Perspektive und interdisziplinäre Einblicke in ihr Forschungsthema zu erhalten. Alle geförderten Studierenden verfassen eine unabhängige und eigenständige Masterarbeit. Die Masterarbeiten sollen bis Dezember 2023 fertiggestellt werden.


Auswahl an möglichen Themen, die im Rahmen einer Masterarbeitet bearbeitet werden können:

  • Produktion, Produkt, Rezeption von Telenovelas und Serien über die jüngste chilenische Vergangenheit (Militärdiktatur, Menschenrechtsverletzungen, Colonia Dignidad, Estadillo Social)
  • Produktion, Produkt, Rezeption von Telenovelas und Serien über jüngste kolumbianische Vergangenheit (kolumbianischer bewaffneten Konflikt, Kampf gegen den Drogenhandel, Menschenrechtsverletzungen, Proteste)
  • Aufnahme und Verarbeitung von Inhalten der Telenovelas und Serien durch die Zuschauerschaft
  • Beeinflussung des Geschichtsbewusstseins der Zuschauerschaft
  • Dimensionen, Umfang und Trends der Transnationalisierung der Telenovelas und Serien und der Erinnerungsbilder, die sie generieren
  • Auswirkungen auf die politische Bildung der Zuschauerschaft

 

Die Masterarbeiten können sich mit den Fallstudien GUMELABs (siehe unten) befassen. Es sind aber auch Arbeiten zu anderen chilenischen und kolumbianischen Telenovelas und Serien über die jüngste Vergangenheit dieser Länder willkommen.

Ein Bestandteil der Tandempartnerschaften umfasst außerdem die Dokumentation der Forschungsarbeit (Fotos, Videos, Graphiken über die Arbeit und die Verwendung digitaler Methoden) und die Erstellung von Content für die sozialen Netzwerke des GUMELAB- Projektes (@_GUMELAB; facebook.com/gumelabFU).

Die deutschen Studierenden werden für einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt nach Chile oder Kolumbien reisen, um vor Ort zu forschen und ihre Tandempartner:innen persönlich kennenzulernen. Die Forschungsaufenthalte sollen zwischen dem 18. Juli 2022 und dem 15. April 2023 stattfinden. Die chilenischen und kolumbianischen Studierenden kommen für einen zweiwöchigen Aufenthalt im Zeitraum Juli 2022 bis Ende August 2023 nach Berlin.

Das Forschungsstipendium in Höhe von 2.775€ wird pauschal vor Beginn der Feldforschung ausgezahlt. Die Pauschale soll die Kosten für die Reise- und Aufenthaltskosten in Lateinamerika decken.

Bewerbungen sind mit folgenden aussagekräftigen Unterlagen einzureichen:

 

  • Lebenslauf
  • Forschungsvorhaben, 2 Seiten
  • Immatrikulationsbescheinigung
  • Kurzer Zeitplan: Für welche Monate wird der Forschungsaufenthalt geplant? Zu welchem Termin wird die Masterarbeit voraussichtlich angemeldet?

 

Die Bewerbungen sind bis zum 30.03.2022 als PDF (vorzugsweise als ein Dokument) elektronisch per E-Mail zu richten an Frau Holle Meding: holle.meding@fu-berlin.de. Es ist zu beachten, dass als Archiv (.zip, .rar, .7z, etc.) eingereichte Bewerbungsunterlagen aus sicherheitstechnischen Gründen nicht berücksichtigt werden können. Vorstellungsgespräche werden im April 2022 geführt.    

 

Zusammenfassung der Forschung

In Lateinamerika ist in den letzten zwanzig Jahren ein deutlicher Anstieg an Telenovelas und Serien zu beobachten, die sich mit Aspekten der Zeitgeschichte befassen; darunter die Menschenrechtsverletzungen während der Militärregime in Argentinien, Brasilien und Chile, der Kampf gegen den Drogenhandel in Kolumbien und Mexiko und die Entstehung des Chavismus in Venezuela. Beispiele dieser Phänomene sind Telenovelas wie Los 80 in Chile und Escobar, el Patrón del Mal in Kolumbien. Einige dieser Produktionen haben großes Aufsehen erregt und den Anstoß zur Entwicklung neuer Serien auf On Demand-Plattformen wie Narcos auf Netflix oder Dignity auf Mega (Chile) gegeben.

Dahingehend befasst sich das Projekt mit der Konstruktion, Vermittlung und trans‑/nationalen Rezeption lateinamerikanischer Geschichte und Erinnerungsbildern in Telenovelas und Serien. Einerseits sollen Thematik, Darstellungsformen, Entwicklungsprozesse erfasst und analysiert werden, andererseits soll die Zuschauerresonanz durch die Auswertung von Twitter-, und YouTube-Kommentaren untersucht werden. Ziel ist es, die Erinnerungsbilder und mediale Codes der Unterhaltungsprodukte zu dekonstruieren und ihren Einfluss auf die Zuschauerschaft auszuloten. Die Fallstudien des Projektes umfassen dabei die folgenden Telenovelas und Serien:

 

 

In enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Physik der Universidad de Antioquia (Medellín, Kolumbien) wird das Projekt die sozialen Netzwerke, Erinnerungsforschung sowie den Konsum von Unterhaltungsmedien als Gesamtgefüge analysieren. Dafür wurde innerhalb des Projekts ein Labor für Erinnerungsforschung und digitale Methoden gegründet. Innerhalb dieses Labors werden digitale Forschungsmethoden (E-Research) angewandt, um große Datenmengen (Big Data) aus den sozialen Netzwerken neben Interviews, Transkriptionen ausgewählter Telenovelas und der Presse als Quellenkorpus für das Forschungsprojekt nutzbar zu machen. Das Labor wird automatisierte Systeme zur maschinellen Verarbeitung natürlicher Sprache (Natural Language Processing, NLP) in der Gedächtnis- und Geschichtsbewusstseinsforschung zum Einsatz bringen und damit zur Entwicklung einer innovativen Methodik beitragen, die es erlaubt, die Rezeption der Telenevolas und Serien, die Beeinflussung des Geschichtsbewusstseins und die politischen Bildung der Zuschauerschaft innerhalb des digitalen Korpus zu identifizieren, zu quantifizieren und zu analysieren.

Weitere Informationen zum Projekt, der Forschungsarbeit und den Fallstudien finden sich auf der Projekt-Website: www.gumelab.net