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Queridos amigos

São Paulo, November 1989. Der Kalte Krieg näherte sich dem Ende mit dem Fall der Berliner Mauer. Vier Jahre davor sah Brasilien zwar das Ende der 21-jährigen Militärdiktatur, aber die wirtschaftlichen Probleme, wie eine sehr hohe Inflation und steigende Arbeitslosigkeit, sind trotzdem bestehen geblieben. Inmitten dieser Instabilität kommt der Verlust der maßgebenden Kapitalismus/Kommunismus-Dichotomie hinzu, unter der die 12 Hauptfiguren sozialisiert worden sind.

Léo, Lena, Pedro, Ivan, Lúcia, Pingo, Tito, Vânia, Raquel, Bia, Rui und Benny bildeten in den 1970er Jahre einen engen Freundeskreis, den sie “Família” genannt haben, dennoch haben sie sich zum letzten Mal bei der Neujahrsfeier 1981/82 gesehen. Liebesbeziehungen, Arbeit, Politik aber auch entwickelte Ressentiments zwischen einigen Figuren führten die Freund:innen dazu, fast 8 Jahre lang getrennte Wege zu gehen. Es ist Léo, der unter einer chronischen Krankheit leidet und der sich deswegen dazu entscheidet, die “Família” wieder zusammen zu bringen. Das erste Treffen bei Léo, das nicht ohne Turbulenzen verläuft, verleitet den geheim sterbenden Freund dazu, die Família-Mitglieder bei dem Erfüllen vergessener, jugendlicher Träume und Ideologien heimlich zu helfen.

Eine große Rolle in der Biographie der Figuren spielt die Militärdiktatur, die in den 70er Jahren unter General Emílio Garrastazu Médici vorherrschend war. Tito, ein immer noch überzeugter Marxist, sowie Ivan und Bia wurden in diesem Zusammenhang verfolgt und gefoltert. Dank Bennys Vater, wurden sie aus dem Gefängnis freigelassen und konnten ins Exil gehen. Im Ausland blieben sie, wie viele real-existierende Brasilaner:innen bis 1979, als das Amnestiegesetz von dem letzten Präsident der Militärdiktatur, João Batista de Oliveira Figueiredo, veranlasst wird. Mit den Sprichwort “Lugar de brasileiro é no Brasil”[1] (Der Ort für einen Brasilaner[2] ist in Brasilien), setzte er die Forderungen von verschiedenen zivilen Bewegungen, wie “Movimento Feminino pela Anistia”[3] (Frauenbewegung für die Amnestie) am 28. August 1979 durch. Schon die ersten Exilant:innen kehrten am 31. August 1979 zurück und viele weitere folgten bei der Rückkehr in den Folgemonate, was von dem Sender Globo eng verfolgt wurde.[4]

Maria Adelaide Amaral, Drehbuchautorin der Telenovela und Autorin des Buches auf welches die Miniserie basiert, vermischt geschickt Fiktion und reale Schicksale, die auf ihre eigene Erfahrung zurückzuführen sind. Im Vordergrund der Serie stehen aber die 12 Freund:innen und ihre Lebenswege in einem sich demokratisierenden Brasilien. Allgemeine Erlebnisse, wie die anstehende Präsidentenwahl - die erste Direktwahl seit der Diktatur - und die steigende Inflation und besondere Ereignisse der Charaktere werden durch Parallelgeschichten in Szene gesetzt. Dabei scheut sich die Autorin nicht vor sensiblen Themen, wie Folter und Vergewaltigung, die vor allem durch Bia thematisiert werden. Schwulenfeindlichkeit, sowie Allusionen an der AIDS-Epidemie und Intoleranz gegenüber Transpersonen kommen auch vor, sodass hier ausdrücklich eine Warnung auf sensible Inhalten ausgesprochen wird.


[1] Quelle: Agência Senado, https://www12.senado.leg.br/noticias/especiais/arquivo-s/ha-40-anos-lei-de-anistia-preparou-caminho-para-fim-da-ditadura

[2] Gendergerechte Sprache wurde hier bewusst ausgesetzt, im Einklang mit dem Originalzitat.

[3] Agência Senado

[4] Auch heute findet man mehrere Reportagen und Videoaufnahmen der Rückkehr wichtiger Politiker:innen und Exilant:innen auf der Website des Senders. https://memoriaglobo.globo.com/jornalismo/coberturas/anistia-e-volta-dos-exilados/noticia/anistia-e-volta-dos-exilados.ghtml