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Zentrale Begriffe

Hier stellen wir euch die zentrale Begriffe vor, die für das Projekt wichtig sind. Wichtig ist dabei, die einzelnen Genres zu unterscheiden und unsere Arbeitsbegriffe zu verstehen. Ebenso findet ihr hier Erklärungen zu Begriffen, die für unsere Methoden und Forschungsansätze wichtig sind.

Die Telenovela hat ihren Ursprung in Lateinamerika und ist längst ein Kulturgut des Kontinents geworden. Lateinamerikanische Telenovelas werden nicht nur im nationalen Kontext, sondern auch fernab von Ländergrenzen geschaut. Ebenso werden inzwischen auch türkische und südkoreanische Telenovelas im lateinamerikanischen Fernsehen gezeigt.

Telenovelas erreichen alle gesellschaftlichen Schichten und werden häufig zusammen mit der ganzen Familie geschaut. Sie richten sich somit an alle Altersklassen und Geschlechter. Gezeigt wird sie meist montags bis freitags zur Hauptsendezeit, nach den Abendnachrichten und gilt somit als Massenmedium. Eine Telenovela besteht aus mehreren Folgen, die aufeinander aufbauen. Häufig sind es zwischen 120 und 180 Folgen. Die Geschichte hat einen klaren Beginn und klares Ende und läuft, im Gegensatz zur soap opera für eine begrenzte Zeit. Auch wenn man eine Folge verpasst hat, kann man der Geschichte trotzdem einfach folgen. Eine Telenovela folgt fast immer dem Aufbau eines Melodramas.

Zu Beginn der Handlung steht ein Konflikt, eine Ungerechtigkeit. Die Hauptfigur, in vielen Fällen eine Frau, befindet sich in einer Situation, in der sie nicht alles erreichen kann, was sie möchte. Dies kann unterschiedliche Gründe haben, beispielsweise ökonomische, weil sie beispielsweise in Armut oder in prekären Verhältnissen lebt. Oder gesellschaftliche Zugehörigkeiten, weil sie zum Beispiel zu einer bestimmten Familie gehört oder gar keine Familie hat. Ein Konflikt kann auch sein, dass sie zu Beginn etwas nicht weiß, weswegen die Hauptfigur einen Nachteil gegenüber anderen hat. Der Charakter der Hauptfigur ist bescheiden, lieb und großherzig. Im Laufe der Telenovela entwickelt sich eine Liebesbeziehung zu einem Mann, häufig aus einer höheren gesellschaftlichen Schicht. Die Protagonisten müssen sich Herausforderungen, Geheimnissen und Intrigen stellen. In einer Telenovela gibt es, wie im Melodrama unterschiedliche Figuren, wie den Bösewicht, den Beschützer, die Betroffene und den Narren. Die Familie der einzelnen Charaktere spielt oft eine bedeutende Rolle in der Handlung. Das Ende der Telenovela ist häufig vorhersehbar, bleibt aber dennoch spannend. Eine Telenovela hat ein glückliches Ende, wie die Erfüllung der zu Beginn unmöglich erscheinenden Liebesbeziehung oder das Erfahren von Gerechtigkeit. Die anfängliche Ungerechtigkeit wird über den Handlungsverlauf hinweg gelöst.

Eine Telenovela spielt mit den Gegensätzen zwischen arm und reich, Gut und Böse. Es werden Emotionen, die wir aus dem Alltag kennen, hervorgerufen, wie Liebe, Enttäuschung und Wut. Dies erlaubt eine Identifikation mit den Charakteren und führt dazu, dass die Zuschauer:innen die Telenovela über zahlreiche Folgen hinweg treu verfolgen. Es wird mit Elementen gearbeitet, die Spannung erzeugen. Beispielsweise spielen Geheimnisse zwischen den Charakteren eine wichtige Rolle, die im Laufe der Handlung gelüftet werden und unterschiedliche Handlungsstränge erlauben. Cliffhanger als Ende einer Folge, wie das berühmte „Fortsetzung folgt“, das darauf abzielt, die Lösung der Situation in der nächsten Folge zu zeigen, bringt die Zuschauerschaft dazu, die Telenovela weiter zu verfolgen. Telenovelas haben einen großen Einfluss auf die Gesellschaft, da sie oftmals auch gesellschaftliche Probleme aufzeigt, wie unter anderem Arbeitslosigkeit, Armut oder Korruption. In erster Linie aber, weil die Telenovela Elemente bietet, mit denen sich ihr Publikum identifiziert und dadurch emotional involviert wird.

Lese mehr zu Telenovelas:
- Gordillo, Inmaculada (2011): La hipertelevisión: géneros y formatos, S. 123-137.
- Martín-Barbero, Jesús (1988): Matrices culturales de la telenovela. In: Revista Estudios sobre las culturas contemporáneas I (4/5), S. 137–164.- Mazziotti, Nora (Hg.) (1995): El espectáculo de la pasión. Las telenovelas latinoamericanas. 1. ed., 1. reimpr. Buenos Aires: Ed. Colihue (Colección Signos y cultura, 4).- Michael, Joachim (2014): Telenovelas und kulturelle Zäsur. 1. Aufl. Bielefeld: Transcript.
-Soler Azorín, Laura (2017): La Telenovela, eso que nadie ve pero todo el mundo sigue. ”. In: Hispanorama, 157, 12-16.

Aus der geschichtswissenschaftlichen Erinnerungsforschung stammt das Arbeitskonzept telenovelas de la memoria, das sich auf jene Telenovelas und Serien bezieht, die zeitgeschichtliche Themen der jüngsten Vergangenheit behandeln. Dieses Konzept impliziert das Verhältnis dieser Art von Telenovelas und Serien zu ihrem Publikum. Das wichtigste Charakteristikum von telenovelas de la memoria ist, dass sich der Großteil der Zuschauerschaft an die gezeigten Ereignisse persönlich erinnert, entweder durch das eigene Erleben oder durch Erzählungen von den Eltern oder Großeltern. Die gezeigten geschichtlichen Ereignisse der telenovelas de la memoria reichen also bis drei, maximal bis zu vier Generationen zurück. Diese Eigenschaft unterscheidet sich von historischen Telenovelas, die zwar auch von historischen Ereignissen handeln, diese aber schon lange zurückliegen und es keine Zeitzeugen für den dargestellten Zeitraum mehr gibt.

Eine telenovela de la memoria ist meist eine geschichtliche Telenovela, in der oftmals Namen realer Personen in Form eines Melodramas oder Dokudramas verwendet werden. Ebenso kann Bildmaterial aus historischen Archiven verwendet werden, das in die Telenovela eingewoben wird (sogenannte Bildmigration). Gefilmt wird häufig an realen Orten der gezeigten Ereignisse oder diese Orte werden nachgestellt. Oft behaupten die Produzent:innen dieser Telenovelas und Serien selbst, dass sie damit einen Beitrag zur historischen Erinnerung leisten wollen. Die dargestellten Ereignisse stehen in Verbindung zu einem kollektiven Trauma der Gesellschaft. Die Produktionen bieten eine Darstellung der Vergangenheit an, die sich durch die Einordnung der individuellen Erfahrungen zu einer kollektiven Erinnerung formen kann und zum Geschichtsbewusstsein einer Gesellschaft beiträgt.

Die genannten Merkmale der telenovela de la memoria helfen den Zuschauer:innen, ihre eigenen Erinnerungen einzuordnen und sich mit der dargestellten Erzählung zu identifizieren. Dies erfolgt durch einen Aushandlungsprozess, der nicht immer konfliktfrei verläuft, da es ungewollte Erinnerungen hervorruft oder familieninterne Diskussionen befeuert, die es vorher noch nicht in den Alltag geschafft haben.

Beispiele für telenovela de la memoria: Anos Rebeldes  (Brasilien, 1992), Los 80 (Chile, 2008-2014), Pablo Escobar, el patrón del mal (Kolumbien, 2012)

Lese mehr zu telenovelas de la memoria:

- Contreras Saiz, Mónika (2017): Narcotráfico y telenovelas en Colombia: entre narconovelas y “telenovelas de la memoria”. In: Hispanorama, 157, 26-31.

- Contreras Saiz, Mónika (2019): «Te reconstruyen la historia»: Teleseries sobre la dictadura militar chilena y en la conciencia histórica de sus telespectadores. In: Javier González Arellano, Nicolás Del Valle Orellana und Damián Gálvez González (Hg.): Golpes a la memoria. Escritos sobre la posdictadura chilena. Madrid: TEGE, S. 135–152.

In unserem Projekt gehen wir davon aus, dass Telenovelas und Serien Erinnerungsbilder produzieren. Die audiovisuellen Produkte, die wir analysieren, behandeln Themen der jüngsten Vergangenheit einiger lateinamerikanischer Länder. Daher haben die meisten Zuschauer:innen eigene Erinnerungen oder kennen die Themen aus Erzählungen, die sie darüber gehört haben (siehe Telenovela de la memoria). Wir verstehen Erinnerungsbilder als visuelle, emotional verknüpfte Vorstellungen, die einen Interpretationsrahmen einer bestimmten Vergangenheit vermitteln, die in einem bestimmten historischen und audiovisuellen Kontext entstanden sind. Ereignisse, historische Personen, historisch-soziale Akteure, historische Bedingungen oder Prozesse werden im Fernsehformat übertragen und von der Zuschauerschaft rezipiert. In diesem Sinne werden Erinnerungsbilder einerseits von Telenovelas und Serien produziert, anderseits sind sie auch persönliche visuelle Erinnerungen an historische Ereignisse, die durch die Rezeption von solchen Telenovelas oder Serien ausgelöst (und in manchen Fällen transformiert) werden.

Als Dokudrama wird ein hybrides Genre bezeichnet, das Elemente aus Dokumentationen mit erzählerischen Elementen des Melodramas verbindet. Ein Dokudrama verbindet Realität mit Fiktion. Das Konzept stammt aus einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive. Die Bezeichnung Dokudrama wird oft für eine einmalige Darstellung verwendet, beispielsweise einer einzelnen Episode. Thematisch handelt ein Dokudrama von realen Ereignissen oder historischen Personen aus der jüngeren Vergangenheit. Durch die Darstellung wird eine Version der Geschichte angeboten, die es zu verstehen gilt. Ähnlich zum Melodrama regt ein Dokudrama die eigenen Gefühle an und spielt mit Emotionen. Dafür ist die Verwendung von Musik und das Licht sehr wichtig. Ein Dokudrama hat einen ethisch-moralischen Effekt auf die Zuschauer:innen, da sie durch die Rezeption des Dokudramas etwas über die Geschichte lernen und am Ende an die Moral und die Aufarbeitung der Geschehnisse appelliert wird. Wie bei der telenovelas de la memoria wird Authentizität durch das Einpflegen von historischem Material erreicht, wie Archiv- und Bildmaterial oder Requisiten, die zu der gezeigten Zeit passen. Als Drehorte können reale Orte dienen oder Orte, die realitätsgetreu nachgestellt werden. Ein Dokudrama regt dadurch die eigenen Erinnerungen an die gezeigte Zeit an und spielt mit der hybriden Anordnung von realen und fiktiven Elementen. Filmisch wird oft mit einer einem voice-over gespielt, eine Stimme aus dem Off, die beispielsweise im Trailer, die Geschehnisse aus der dritten Person erzählt.

Lese mehr zu docudrama:

- Antezana Barrios, Lorena: “Docudramas televisivos como vehículos de memorias generacionales”, in: Simone Maria Rocha und Rogério Ferraz (Hrsg.): Análise da ficção televisiva. Metologias e práticas. Florianópolis 2019, S. 223-244

- Santos, Alexandre Tadeu dos: Afinal, o que é docudrama? Um estudo do gênero a partir da telenovela brasileira. São Paulo 2013

- Lipkin, Steven N.: Docudrama Performs the Past. Arenas of Argument in Films based on True Stories. Newcastle upon Tyne: 2011.

- Lipkin, Steven N. Real Emotional Logic: Film and Television Docudrama as Persuasive Practice / Steven N. Lipkin. 2002.

Seit den Anfängen der Telenovela in Lateinamerika wurde die soziale Realität des Kontinents in ihren melodramatischen Drehbüchern dargestellt. Es gibt Telenovelas, die dies deutlicher machen als andere. Für solche verwenden wir den Arbeitsbegriff Telenovelas der „fiktionalen Realität“. Als Telenovelas der „fiktionalen Realität” verstehen wir Telenovelas, die gesellschaftliche Phänomene beleuchten, die auf kein konkretes historisches Ereignis zurückzuführen sind, aber dennoch Teil der lateinamerikanischen Geschichte und Gegenwart sind. Dazu zählen zum Beispiel Migration, Femizid oder Korruption. Dies sind Erscheinungen, die seit jeher Teil der lateinamerikanischen Geschichte sind und nicht an Aktualität verlieren. Die Migration von Lateinamerikaner:innen in die USA, die Ankunftsschwierigkeiten in den USA, Korruption, die Angst vor Gewalt und Armut und die Repressionen gegen Frauen sind ein andauerndes Problem des Kontinents und tragen daher sicherlich einen wichtigen Teil zur lateinamerikanischen Identitätsbildung bei. Ebenfalls sind es Themen, die lange keinen Einfluss auf gesellschaftliche Debatten nehmen konnten, da sie verschwiegen oder nicht benannt wurden, wie beispielsweise die Gewalt gegen Frau, die erst durch feministische Proteste und Bewegungen wie #niunamenos Teil von politischen und gesellschaftlichen Diskussionen wurde. Obwohl diese Phänomene in der nationalen Geschichtsschreibung kaum mit konkreten historischen Fakten in Verbindung gebracht werden, ist die Auseinandersetzung mit diesen Themen in Telenovelas, selbst in einer fiktiven Darstellung, für unser Projekt wichtig. Wir gehen davon aus, dass Geschichten über Femizid, Migration oder Korruption in Telenovelas auch eigene Erinnerungsbilder bei den Zuschauer:innen hervorrufen können und daher in unsere Forschung einfließen werden. Ebenfalls können Telenovelas oder Serien, die diese Thematiken aufgreifen, aktuelle Diskussionen anstoßen.

Beispiele für Telenovelas der fiktionalen Realität:

- Zum Thema der Migration: La doble vida de Estela Carrillo (Mexiko, 2017), Eva Luna (USA, 2010), Allá te espero (Kolumbien, 2013) , Nino, o Italianinho (Brasilien, 1970)

- Zum Thema der Korruption: Por estas calles (Venezuela, 1992), La venganza de Analía (Kolumbien, 2020)

- Zum Femizid: La Doña (USA, 2016), Alguien te mira (USA, 2010)

Lese mehr zu Telenovelas der fiktionalen Realität:

- Pastel, Renée (2019): Hashtag Television: On-Screen Branding, Second-Screen Viewing, and Emerging Modes of Television Audience Interaction. In: Keith Feldman und Abigail de Kosnik (Hg.): #identity: Hashtagging Race, Gender, Sexuality, and Nation. Ann Arbor: University of Michigan Press, S. 165–180.

Narconovelas sind eine Unterkategorie von lateinamerikanischen Telenovelas und bezeichnen Telenovelas, die von Drogenhandel sowie der Kampf gegen diesen in Lateinamerika handeln. Auf eine erzählerische Weise, gepaart mit fiktiven und filmischen Elementen wird im seriellen Format von Kriegen zwischen Drogenkartellen, oder dem Drogenhandel und die Beziehung zur lokalen Politik erzählt. Meist geht es dabei um den Handel von Kokain. Im Vordergrund einer Narconovela stehen die Drogenbosse und deren Drogenkartelle als Hauptfiguren. Der oder die Zuschauer:in sieht die Geschehnisse aus der Perspektive der Drogenhändler und kann sich mit ihnen identifizieren und auch Sympathie für sie empfinden. Als Nebenfiguren spielen Anhänger anderer Drogenkartelle, die Familie, die Polizei oder Paramilitärs eine Rolle. Trotz der Tatsache, dass der Drogenhandel in Kolumbien und Mexiko bereits unzählige Opfer gefordert hat, tragen die Narconovelas zu einem teils positiven Bild auf die Geschehnisse bei. Narconovelas haben häufig eine internationale Reichweite und prägen dadurch das Bild auf die Länder, wie Mexiko oder Kolumbien. Im Fernsehen sind Narconovelas in Lateinamerika seit Beginn der 2000er zu sehen. Die Handlung von Narconovelas basiert teilweise auf realen Fakten und Figuren, die aber mit fiktiven Elementen verbunden werden. Das Genre der Narconovela kann als eine Action-Serie klassifiziert werden, mit Szenen, die Gewalt, Mord, Sex, Exzesse, Intrigen und Drogen zeigen. Gängige Themen der Narconovela sind außerdem die Straflosigkeit und Korruption sowie die fehlende Macht des Staates und das Vertrauen der Gesellschaft in die Institutionen und die Politik. In Narconovelas wird eine Wirklichkeit Lateinamerikas gezeigt, die oft aus dem Versagen der politischen Institutionen resultiert: das Eingreifen krimineller Organisationen.

Beispiele für Narconovelas: La Reina del Sur (USA, 2011), El Señor de los Cielos (Estados Unidos, 2013)

Lese mehr zu Narconovela:

- Benavides, Oswald Hugo (2008): Drugs, Thugs, and Divas. Telenovelas and Narco-Dramas in Latin America.

- Contreras Saiz, Mónika (2017): Narcotrafico y telenovelas en Colombia: entre narconovelas y "telenovelas de la memoria". In: Hispanorama (157), 26 – 31.

Historische Telenovelas zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine bestimmte Zeit oder bestimmte historische Ereignisse darstellen. Sie behandeln in der Regel wichtige gesellschaftspolitische Veränderungen der früheren Geschichte eines Landes, wie Kriege oder Taten von nationalen Heldenfiguren. Sie tragen damit zu einer Bildung einer nationalen Identität bei. Die Geschehnisse werden rekonstruiert und mit fiktiven Elementen verbunden. Durch wahrheitsgemäße historische Requisiten und Kostüme, die Darstellung von realen Persönlichkeiten und Geschehnissen und realen Orten als Drehorte wird Authentizität aufgebaut. Zur Telenovela der Erinnerung unterscheiden sich Historische Telenovelas dadurch, dass sie Geschehnisse zeigen, an die sich die Zuschauer nicht selbst aufgrund eigener Erfahrungen erinnern können, wie die lateinamerikanischen Unabhängigkeitskriege, den Sklavenhandel oder die Mexikanische Revolution.

Beispiele für historische Telenovela: A escrava Isaura (Sklavenhandel, Brasilien, 1976, 2004), Gritos de muerte y libertad (mexikanische Unabhängigkeit, Mexiko, 2010), La Pola (Unabhängigkeitskrieg im heutigen Kolumbien, Kolumbien, 2011)

Eine Serie arbeitet, ähnlich wie eine Telenovela mit Spannungselementen und mit Elementen des Melodramas. Die Ausstrahlung der einzelnen Kapitel erfolgt meist einmal wöchentlich, oft an einem Tag des Wochenendes. Serien bestehen aus verschiedenen Episoden, die zwischen 45 bis 50 Minuten dauern. Diese werden in unterschiedlichen Staffeln gezeigt, von denen jede etwa zehn bis dreizehn Episoden hat. Die Handlung der Serie variiert je nach Genre, da die Themenwahl sehr frei ist. Im Vordergrund steht eine feste Gruppe von Hauptcharakteren, mit denen sich die Zuschauer:nnen identifizieren können. Es gibt unterschiedliche Handlungsstränge, die oft auch durch Nebenfiguren angestoßen werden. Auch wenn man eine Folge verpasst hat, kann man der Geschichte trotzdem einfach folgen. Die Handlung einer Serie ist klar begrenzt. Eine Serie muss nicht immer ein gutes Ende haben, im Gegensatz zu vielen Telenovelas. Serien werden oft als DVDs verkauft oder über Online Streaming Plattformen gezeigt, wie Netflix oder Amazon Prime. Das macht das Anschauen einer Serie zu einem individuellen Erlebnis, da es nicht an eine feste Ausstrahlung im Fernsehen gebunden ist. Im Genre der Serie gibt es unterschiedliche Arten, wie die Antologie: eine Serie mit unterschiedlichen Kapiteln, die nicht miteinander verbunden sind und jeweils eine eigene, in sich abgeschlossene Handlung haben. Miniserien sind Serien, die sich durch weniger Folgen und eine intensivere Handlung auszeichnen. Eine Miniserie hat mehr als eine, aber höchstens bis zu fünfzehn Folgen.

Lese mehr zu Serien:
- Gordillo, Inmaculada (2011): La hipertelevisión: géneros y formatos, S. 138-141.

Die Soap Opera bezeichnet ein serielles Format, das meist von montags bis freitags im Fernsehen läuft. Die einzelnen Folgen laufen tagsüber oder im Vorabendprogramm, vor den Abendnachrichten. Die Handlung ist auf eine lange Dauer ausgelegt, anhand unterschiedlicher Charaktere und Ereignisse und läuft über mehrere Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte. Die deutsche Soap Opera Lindenstraße lief über 40 Jahre im Fernsehen, die englische Soap Opera Coronation Street läuft seit 1960 bis heute. Eine Soap Opera hat kein klares Ende, da es verschiedene Handlungsstränge und eine Vielzahl von Charakteren gibt. Die Spannung zwischen den einzelnen Episoden wird mittels melodramatischen Elementen und Cliffhanger aufrechterhalten. Es wird eine enge Bindung zwischen den Zuschauer:innen, die die soap opera regelmäßig schauen und den Charakteren aufgebaut. Wenn man einige Folgen verpasst hat, kann man der Geschichte dennoch folgen.

Lese mehr zu Soap Operas:

- Gordillo, Inmaculada (2011): La hipertelevisión: géneros y formatos, S. 119-123.
- Brunsdon, Charlotte (1995): The role of soap opera in the development of feminist television scholarship. In: Robert C. Allen (Hg.): To be continued. Soap operas around the world. Transferred to digital print. London: Routledge, S. 49–65.

Die dramatische Gattung Melodrama entstand aus der Verbindung von Theater und Musik. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert und hat sich im Laufe der Zeit verändert. Die Geschichte zeigt, dass es sich beim Melodrama um ein äußerst beliebtes Genre handelt. Damit es jeder verstehen konnte, waren in den Anfängen des Musiktheaters die Figuren klar, einfach und manichäisch definiert: die Guten und die Bösen. Die dargestellten Gefühle waren stark, bestimmt und ohne Nuancen. Ein lustiger Charakter wurde mit dem tragischen Grundton des Protagonisten verbunden. Das Gute siegte immer über das Böse und es gab ein glückliches Ende.

Seit seinen Anfängen zieht sich das Melodrama als Genre durch verschiedene Medien, wie dem Fortsetzungsroman, in der Radionovela, dem Kino usw. Das Melodrama der Telenovela ist ein dramatisches Werk, in dem die Emotion und Handlung im Vordergrund stehen, das im seriellen Format erzählt wird. Im Allgemeinen wird die Entwicklung eines Helden oder einer Heldin geschildert, die sich auf eine vielversprechende Zukunft zubewegen. Es gibt Interessenskonflikte, Rivalitäten zwischen antagonistischen Zielen, Zusammenstöße zwischen sozialen Schichten und einen Kampf gegen Vorurteile und Ressentiments. Der Held oder die Heldin überwindet Hindernisse und Konflikte und vernichtet am Ende seine beziehungsweise ihre Feinde. In der Regel gibt es stets ein Geheimnis, das es zu enthüllen gilt. All das wird von viel Romantik und Sinnlichkeit begleitet, dargestellt von gutaussehenden Schauspielerinnen und Schauspielern und in attraktiven Kulissen und Kostümen. Viele lateinamerikanische Telenovelas haben jedoch das melodramatische Genre verändert und verändern es weiterhin. Sie sind realistisch, sodass die Erzählung im wirklichen Leben passieren könnte. Die Telenovelas aus Lateinamerika haben Vorstellungen über das Alter, die sozialen Klassen, die territorialen Gebiete und Geschlechter einbezogen und verändert. Sie beziehen sich teils auf historische Momente, regionale Gebiete und Kulturen sowie auf nationale und sogar transnationale Themenkomplexe.

 

Lese mehr zu Melodrama:

Martín-Barbero, Jesús, Muñoz, Sonia (Coordinadores) (1992): Televisión y melodrama. Géneros y lecturas de la telenovela en Colombia. 1. ed. Bogotá: Tercer Mundo Ed. (Comunicación social).

Martín-Barbero, J.; Rey, Germán (1999): Los ejercicios del ver. Hegemonía audiovisual y ficción televisiva. 1. ed. Barcelona: Ed. Gedisa (Estudios de televisión, 2).

Carabrujas, José Ignacio (2002): Y Latinoamérica inventó la telenovela. 1. ed. Caracas: Alfadil Ed (Ludens, 15), S. 115 – 144.